Tom Bresemann                                                                                                                                                 Text                       

 

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2 Gedichte aus: Makellos.Gedichte (Verlagshaus J. Frank, Berlin 2007)

im fernsehn kopuliert Shakira
mit einem stuhl.

im fenster ist der himmel
blau.

die zigaretten schmecken frisch.
nach diesem winter

lassen wir alle blumen stehn
und kapfen an

daz werde wip. der frühling
ist ein videoclip.

der stuhl ist durch,
jetzt kommt der tisch.

die mitte der stadt

in dir: abstoßende geschäftigkeit, pulsierendes
leben. präventiv hast du deine gedanken kastriert:
vor lauter metaphorik kommst du
nicht zum stich, im close up findest du
das schwanzende nicht mehr:

pünktlich zum empfang stehen die statisten,
überlebensgroß und apfelfrisch. deine müdigkeit
findet hier nicht statt. es ist das jahr
der topevents: high class adult entertainment:
die stadt schluckt alles und du hältst drauf.

offen liegt der tag vor dir,
doch du findest nicht hinein: überall
hochglanz und imprägniertes leder, trotzdem
fickt niemand.



2 Gedichte aus: Wat los, Parzen? (Hg. von Bresemann, Maroldt, Schäfer, APHAIA VERLAG, Berlin 2006)

jetzt ist nah.

wir pflanzten frisches in den wind,
den hügel hinab,
durch die siedlung.
schon trug man uns früchte nach.
und nichts mehr von morgen. plötzlich
stürzte sich leben auf uns. ein lächeln,
dass wir jeden schmerz bestritten.
an jenem tag war das glück ein ort,          
bei sonnenschein
bequem mit dem fahrrad erreichbar.       
näher als wir dachten. 

 

Wanderers Nachtlied  

der abend ist da. die vöglein schweigen und die menschlein
sind nah, sie schweigen auch.  

die üblichen opel, diese böhsen onkelz,
ersoffen im schlaglicht: tankstelle.

die stille steigt dir zu kopf und dort herum.
hinterm fenster das klopfen der küchenuhr als  

einziges geräusch. auch vorm fenster
spürest du kaum einen hauch: du weißt,  

am ende der allee sterben nur die besten jung
und das ist keine metaphorische sackgasse,  

das heißt: vollgas, mitten hinein. ohne gurt, aber mit g.
warts ab, alter, balde ruhest du auch.

 

 

2 Gedichte aus: Jetzt ist nah (hg. von Hendrik Stiemer, Roterfaden Lesehefte, Blattlaus Verlag, 2008)

die knoten

zählst du, den verlauf
dieser verwicklung, als deren symptom
du dich zu begreifen beliebst,
zu verinnerlichen: ein ungutes zuviel:
verhärtungen im kopf, im hals,
in den organen
die metastasierende einsamkeit
der schöpfung: Ich
will eine krankheit nur für mich
und keine heilungschancen,
nur für mich allein. Ja,
lachst du, auch ich will ficken.
schon taste ich mich dein
lymphsystem hinab: in den achseln,
zwischen den beinen: krebs
ist eine seelenkrankheit,
hat neulich jemand im fernsehn
gesagt. und ich dachte,
dass dort gott wohnt.

 

die gegend als regenplane
überstreifen, als cape. heraus-
luken: ränder scharf stellen:
stirn-, stern- und jauche-
anwallungen, laternen, alleen, bahnhöfe,
verwachsene gleise.
die sensationen der no go area. allenthalben
die ansässigen ortseingangsschilder:
befreite zonen der
bewegungsmelder. entsicherte sicht-
grenzen und die offene mündung
der see.